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Liebe Michelle

  • vor 2 Tagen
  • 6 Min. Lesezeit

Ich hoffe, du hast gut ins neue Semester gestartet, geniess die Goethe Vorlesung! & Happy Fasnachtsmontag!


Es ist gerade Freitagabend, 22:21. Irgendwie eine komische Zeit, um noch Blog zu schreiben. Mir fallen auch schon die Augen zu, weil ich gestern erst um 4 ins Bett bin. Ich war diese Woche schon genug oft abends unterwegs in Bars, sodass es gerade sehr okay ist, einen Abend Zuhause zu verbringen. Obwohl ich Zeit zuhause, die ich dann doch immer mit Kochen, Abwaschen, Wäsche machen, Sachen ordnen, fürs Bett bereitmachen oder was auch immer verbringe, anstrengender finde, als gemütlich in einer Bar zu sitzen. Deswegen finde ich es auch schwer, mit Leuten zu relaten, welche Zeit alleine nutzen, um ihre Batterien aufzuladen. Ich habe oft das Gefühl, in der Zeit mit mir alleine produktiv sein zu müssen, auf irgendeine Art und Weise. Somit stress ich mich dann. Dinge, die ich zum Beispiel heute noch machen wollte: in mein Traumtagebuch schreiben, Wäsche fertig zusammenlegen, gemütlich Gilmore Girls schauen. Manchmal bin ich wirklich gestresst, weil ich nicht geschafft habe, genug zu chillen. Es gibt sicherlich einen Namen für dieses Phänomen. Aber darum soll es hier nicht gehen. Ausser um Bars, um Bars soll es immer gehen, denn:


Ich bin langsam in Montpellier angekommen und lebe die richtige Erasmus-Experience, heisst: ich chille vorwiegend mit Schweizerinnen. J. wohnt im gleichen Haus wie ich und A. im Zentrum, sie sind beide von Basel. Wir sind sehen uns fast täglich, was ziemlich nice ist und etwas Gymi-Vibes hervorruft. A. ist gut vernetzt und bringt uns mit anderen in Kontakt oder an die angesagten Parties. Meistens landen wir abends aber einfach gemütlich in einer Bar. Ich habe nachgezählt und war schon in 10 verschiedenen Bars, die ich alle namentlich aufzählen kann, in einigen auch mehrfach. (okay, das eine ist mehr ein Restaurant, aber ich hatte nur was getrunken, deswegen zählt es auch, weil 10 eine schöne Zahl ist…) Ich glaube, das sind mehr als ich in 4 Jahren Zürich oder in 2,5 Jahre Basel geschafft habe. Vielleicht übertrieben oder es zeigt , dass ich in Basel nie in Bars gehe. Es schmerzt einzig meine schöne Montpellier-Budget-Excel-Tabelle, in der ich monatlich für Ausgang nur 50 Franken eingerechnet habe, ein grosses Bier kostet hier aber schnell sehr schweizerisch 7 Franken. Das reicht leider nicht, aber die Tabelle kann ich ja einfach anpassen…


Sonst sieht meine Woche ungefähr so aus: morgens Uni, nachmittags lost rumliegen, lesen wollen, dann aber zu nichts kommen, Montagabend Yoga, Dienstag Chor (sehr schön: ich singe wieder!) Mittwoch Cardio Jive (absolut dumm für mein Knie, aber der Tanzlehrer ist sehr hot und es tut mir gut), Freitag manchmal Salsa.


Hier ein paar random zusammenwürfelte Anekdoten aus den letzten 2 Wochen:


  • Letzten Samstag war ich mit J. und einer Deutschen aus einem meiner Seminare in Nîmes, sie ist schon ungefähr 30. Es war ausgemacht, dass wir dort ihren Freund treffen würden, welcher von Deutschland mit dem Auto kam, um danach zusammen zum Pont du Gard zu fahren. Als wir in der Stadt ankamen, die eher bescheiden ist, begann unsere Bekannte, zu erzählen, wie sie ihren Freund kennengelernt hatte und droppte nebenbei, dass er etwas älter sei. Als wir nachfragten, was etwas älter bedeutete, sagte sie 28 Jahre! Sie war 20 als sie ihn kennengelernt hatte. Ich lasse das hier so stehen. Wir fuhren dann also mit einem knapp 60-Jährigen, der mit seinem I-Pad Bilder machte zu dem bekannten Aquädukt, war aber sehr schön, hatte sich gelohnt.


  • Als ich bei Action einkaufen war, wurde ich von einer Gruppe angesprochen und gefragt, ob ich Magrebhienne, genauer gesagt von Algerien sei. Ich hatte ab etwas auf meinem Handy gelacht und sie dachten, ich hätte wegen etwas gelacht, was sie auf arabisch gesprochen hatten. Als most-white-girl-ever fand ich das erfrischend, niemals hätte ich gedacht, dass man mich für irgendwas anderes halten könnte.


  • Der eine Prof, welcher auf Tischen sitzt und während dem Seminar vaped <3


  • Ich habe geträumt, dass es in meinem kleinen Studio ganz viele hässliche kleine Viecher hat, so wie Tausenfüssler sahen sie auch, die aus der Wand kamen. Es kamen Leute vorbei, welche ghostbustermässig alles ausräucherten und von den nuisibles sprachen. Ich kannte das Wort nicht. (Sowohl im Traum, als auch in RL). Als ich aufgewacht bin, habe ich es gegoogelt und nuisibles heisst tatsächlich Schädlinge. Wie krass ist mein Unterbewusstsein? Kann aber sein, dass ich den zweiten Teil auch geträumt hatte, etwas später wusste ich nämlich das Wort nicht mehr. Vielleicht spreche ich tatsächlich fliessend spanisch, ohne es zu wissen.


  • Ich war in einem Theater, sehr modern, sehr aktuell, sehr feministisch, sehr viel life-Kamera, aber als Prop hatte es einfach Aproz-Wasser von der Migros und Milch von Coop <3


Pont du Gard
Pont du Gard

Ein paar Lowlights:


  • Am Valentinstag Pubquiz haben wir geslayt bis auf die Musikkategorie.  Ich habe wieder einmal gemerkt, wie ich mich in solche Dinge reinsteigern kann, da kommen unsympatische Charakterzüge hervor...Bei der Siegerehrung wurde es richtig spannend, denn wir wurden bis zu den Top 10 nicht aufgerufen, dann bis zu den Top 5 auch nicht, es ging weiter, bis nur noch 2 Teams übrig blieben, ich war on fire. Und dann waren es zwei andere Teams, er hatte einfach komplett vergessen uns aufzurufen, oder wir hatten uns nicht gehört, bummer…


  • Französ:innen sind sehr unverbindlich.


  • Gestern bin ich nach der Bar um 1:00 Uhr nachts richtig heftig mit dem Velo umgefallen, voll auf mein sowieso schon verletzes Knie. Ich habe ein kleines Bördchen nicht gesehen, bzw. nicht gecheckt, dass es abgehoben ist. Ist aber auch richtig scheisse gebaut, muss ich hier mal die Stadtplanung von Montpellier in die Verantwortung ziehen.

    Das Bördchen in question
    Das Bördchen in question

Dinge, die ich gelernt habe:

 

  • Dass ich nicht so gut Hochdeutsch kann, wie ich denke. Ich werde oft von Deutschen outgecalled. Mir ist meine helvetische Ausdrucksweise nicht bewusst. Zum Beispiel habe ich gelernt, dass man das Adverb noch im Deutschen nicht wertend einsetzen kann. Ich war auf dem Markt und meinte, es sei noch schön hier und wurde komisch angeschaut. Gibt es nur zeitlich, also immer noch. Jetzt beim Schreiben merke ich, dass ich es nicht schreiben würde. Ich kann auch nicht sagen die ist mir, um auszurücken, dass etwas mir gehört. Ich dachte immer, mein reines Hochdeutsch würde mich verstecken, aber dem ist leider nicht so :(

 

  • à perpetes-les-oies bedeutet im Nirgendwo. Ich sollte mich mit einer Person treffen und sie schrieb mir, dass sie von da komme. Wie verrückt versuchte ich den Ort auf Maps zu suchen und habe einfach nichts gefunden (ausser so ein 7/7 Laden, irgendwo im Norden Frankreichs), bis ich meine Banknachbarin im Seminar fragte, wo das sei, die mich schräg anschaute und sagte, dass dies eine Redensart sei.


  • Wie alle Rugby-Positionen auf Französisch heissen.

Keine Laternen, aber trotzdem schöne Farbe
Keine Laternen, aber trotzdem schöne Farbe

Okay, jetzt noch der true-talk: Vielleicht hat man es schon gemerkt: ich bin getrennt. Ich weiss nicht, wie ich darüber schreiben soll, ich kann der langjährigen Beziehung und dem Format von diesen Briefen nicht gleichzeitig gerecht werden. So eine krasse Veränderung in meinem Leben einfach wegzuignorieren fühlt sich auch absolut falsch an, alles was ich schreibe, fällt aus dem Kontext. Auf einen Seite möchte ich nicht wirklich, oder noch nicht darüber schreiben, auf der anderen Seite, will ich auch nicht, dass es so scheint, als würde F., welcher ich hier oft hier erwähnt habe, einfach wegfaden, dass Leute beginnen, zwischen den Zeilen zu lesen. Ich will es nicht als Aufhänger benutzen, doch dein Break-up-Blogpost ist der meistgelesene unserer ganzen Korrespondenz. Also fahre ich eine etwas weniger persönliche, oberflächlichere Schiene. Ich weiss nur, dass ich sehr viel überdenke, hinterfrage, von mir wegschiebe, rausschiebe. Immer noch Mühe habe, mich zu konzentrieren und teils auch zu schlafen, aber die Sonne hilft. Vielleicht gehe ich irgendwann etwas mehr in-depth.   


Wir haben schon oft darüber gesprochen, dass wir hier schreiben können, was wir wollen und niemandem etwas schulden, aber trotzdem fühlt es sich für mich falsch an. Ich weiss, dass gerade viele Bekannte hiermit diese News von mir erfahren, auch das finde ich seltsam. Aber es gibt Dinge, die ich nicht preisgeben kann. Alles, was ich erzähle, muss sich jedoch durch diesen Filter lesen lassen.


Nun noch zu den Kategorien:


Etwas zum Glotzen: Hast du Olympia geschaut? Ging nämlich etwas an mir vorbei, auch weil ich nicht richtig weiss, wo schauen, habe kein VPN für SRF und die Hälfte der Youtube-Videos sind auch gesperrt. Aber ich schaue jetzt ein paar Eiskunstlauf-Küren nach.


Etwas zum Hören: Habe mir nach dem Superbowl auch sehr viel Bad Bunny reingezogen. Vielleicht sollte ich jetzt mal in Latin-Ausgang.


Etwas zum Lesen: Ich bin an «the court of Thornes and Roses» dran und möchte sicherlich fertig werden, bevor ich kurz wieder in der Schweiz bin Anfang März. Aber den Leseurge habe ich immer noch nicht wiedergefunden leider, aber ich bleibe dran.


Etwas zum Essen: Gönn dir all das Fasnachtszeugs, bitte, für mich! Ich habe etwas Food-Fomo und keinen Ofen hier. Traue mich aber auch nicht, eine Mehlsuppe zu kochen, haha.


Ich freu mich auf die Fasnachtsstory von dir, wird sicher gut! Nach deinem Make-Up Pic habe ich ein klein wenig Fomo. Dieser Geruch vom Fasnachtssonntag auf dem Land ist etwas ganz besonderes, sehr tief in mein Gehirn eingebettet. Er verspricht so viel. (Auch wenn ich die drei scheenschte Dääg natürlich immer priorisiert habe.) 

 

Alles Liebe

Vera

 



 
 
 

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