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Liebe Vera

  • vor 2 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Ich schreibe diesen Eintrag wieder einmal während einer Vorlesung (und am Nachmittag danach). Ich habe mich während der Vorlesung ausserdem gerade wieder einmal in den Verlagsvorschauen für den Herbst verloren voller cooler Bücher und cooler Autor*innen, und ich frage mich wieder einmal, wie es wohl wäre, eine dieser Personen zu sein, die in ihrer Bio stehen hat «Lebt in Basel und London». Obwohl das in der Realität vermutlich unglaublich stressig ist, hat es etwas sehr Glamouröses. Nicht nur in einer coolen Stadt, sondern gleich in zwei coolen Städten zu wohnen.

 

Naja, du weisst, ich bin sehr easily influenced. Darum habe ich nach meinem Besuch in Montpellier bei dir auch wieder einmal nachgeschaut, ob ich nicht doch noch ein Erasmus-Semester machen könnte. Leider bin ich nun endgültig zu spät dafür. Deadlines fürs 2027 schon verpasst, und im 2028 studiere ich hoffentlich nicht mehr. Die Entscheidung wurde mir also abgenommen. Trotzdem träume ich immer noch von ein paar Monaten in England. Irgendwann einmal vielleicht. Ich sage zwar immer, dass ich nicht wegwill und keine grosse Reiselust habe – die wirklich nicht nachvollziehen kann. Aber in einer grossen Stadt (also halt so Millionenstadt, wie es sie in der Schweiz nicht gibt) zu leben, stelle ich mir schon immer noch sehr romantisch vor. Zu romantisch vermutlich. Aber ein guter Teil meines Romans spielt ja in London. Vielleicht liegt eine Rechercheaufenthalt für einen Monat oder so in einem überteuerten AirBnB ja irgendwann drin. Im Sommer bin ich wieder zwei Monate als Logistik-Mitarbeiterin unterwegs. Zwei Tage Marketingbüro, zwei Tage Kühllager. The duality of woman. Jedenfalls kann ich da vielleicht was ansparen.

 

Montpellier hat trotz kurzzeitiger Verunsicherung, ob ich alles richtig mache, wenn ich nie ein Auslandsemester mache (in unserem Freund*innenkreis bin ich nämlich auch die Einzige, die nie länger als drei Wochen weg war), sehr gutgetan. D. aus dem Büro meinte vor dem langen Wochenende zu mir «Wenn ich am Meer bin, fühle ich mich, wie sich mein iPhone wohl fühlt, wenn ich es zum Laden einstecke.» Was für ein Satz. Ich fühlte mich sehr verstanden. Tatsächlich war meine Batterie auch nach dem Flixbus heim immer noch sehr aufgeladen. Mindestens 90% trotz 10 Stunden Bus! Es war echt schön, wieder einmal intensiv Zeit mit dir zu haben, ein ganzes Wochenende aneinanderzukleben, ans Meer zu fahren, mit dem Velo die Velowege (oder die Einbahnstrassen in falscher Richtung) unsicher zu machen, Bücher zu shoppen, die ich vielleicht oder vielleicht auch nicht bald lesen werde, Gummibärli auf deinem Bett zu essen, bis mir ein bisschen schlecht war. Mir war schon seit Ewigkeiten nicht mehr schlecht, weil ich zu viel Süssigkeiten gegessen habe! Generell haben wir viel gegessen. Zwei Mal an einem Tag ins Restaurant ist das ultimativste aller Feriengefühle für mich. Und die (inoffizielle?) Saisoneröffnung im Dorf am Meer, Picknick im Sand, das herumspringen in den Wellen. Es fühlte sich wie ein sehr nötiges Durchschnaufen an.

 

Genau das ist momentan auch ein bisschen schwierig für mich. Ich schaffe es nicht wirklich, konstant langsam und bedacht zu atmen. Intensives Pausieren, wenn ich mich mit Leuten treffe, die Uni und die Arbeit etwas ausblende, dann dafür die volle Wucht, die mir in die Magengrube schlägt, wenn ich dann wieder in der Bib oder der Uni oder im Büro bin. Balance schaffe ich immer noch nicht ganz, obwohl ich doch so gut Einradfahren und Slacklinen kann. Dieser Skill überträgt sich immer noch nicht auf meinen Kopf anscheinend. Aber kommt schon alles gut.

 

Ein weiterer Pausen-Moment, der sehr gutgetan hat, war L.s Geburtstagsfest am Wochenende. Wir waren dort zeltlen, wo wir schon an ihrem 13. Geburtstag zeltlen waren. Volle Ladung schöne Aussicht aufs Oberbaselbiet, Feuer machen, Furzwitze abends im Zelt, Prosecco zum Zmorge, Fussball kicken, Frisbee werfen. Wir wurden glaubs alle etwas nostalgisch für unsere Gymi-Zeiten. Als wir alle noch so nahe beieinander waren. (Ich meine räumlich! Emotional sind wir zum Glück eben immer noch nah!) Als wir keinen Geburtstag brauchten, um uns alle zu sehen, sondern es sowieso klar war, dass sich alle den Samstagabend freihalten, ohne dass wir offiziell etwas abgemacht haben. Ich will nicht zu kitschig klingen. Denn eigentlich trauere ich dem nicht nach. Es passte halt in diesen Frame damals und war so ein wichtiger Anker für uns alle. Wir haben alle noch ganz viele andere Anker mittlerweile, aber es war sehr schön, zu spüren, dass wir einander immer noch irgendwie festhalten, auch wenn wir uns nicht mehrmals die Woche sehen. Neben den Fotos wurden am Sonntagabend dann auch ganz viele «es isch so schön gsi mit euch», «ich han euch alli so gern» und Herz-Emojis geschickt, das trägt mich alles immer noch ein bisschen durch diese so kurze Woche.

 

Jetzt ab in mein verlängertes Wochenende in den Vogesen mit L. und S. und vermutlich viel Regen. Wird wohl eher gemütlich mit Basteln und Stricken (und leider noch ein kleines bisschen Uni). Und Bier natürlich. Fotos und Roomtour bekommst du dann. Aber zuerst die Kategorien:

 

Etwas zum Glotzen: Ich habe mit Sex and the City angefangen. Ich habe erst drei Folgen geschaut. Aber sehr 90er Jahre. Sehr witzig. Ich liebe Sarah Jessica Parker.

 

Etwas zum Hören: Ich bin nicht sicher, ob du den Film »Pride« geschaut hast. Banger übrigens. Aber dort gibt es eine Szene, wo die Frauen im walisischen Miners-Town »Bread and Roses« singen und ich bekomme jedes Mal Gänsehaut. Jedes zweite Mal muss ich weinen. Du kennst meine Liebe zu Volksliedern. Bitte schau es dir mit Video an.

 

 

Etwas zum Lesen: Wie alle habe ich in den letzten zwei Wochen »Yesteryear« von Caro Claire Burke gelesen. Ich habe schon lange nicht mehr so viele Gespräche über ein Buch geführt. Alle haben das gelesen oder lesen es gerade oder wollen es noch lesen. Lohnt sich absolut!

 

Etwas zum Essen Konsumieren: Unfortunately, die Vape, die ich gestern gekauft habe. Ich rede sie mir mit Prüfungszeit schön. Tant pis.  

 

Songzeile der Woche: I don’t care for traffic lights. (Slow It Down, Amy MacDonald)

 

Geniess deine eineinhalb Monate Strand noch. Danach dafür dann wieder Rhyschwümme. Ich freu mich.

 

Alles Liebe

Michelle 


Schöner Himmel gestern vom Gym aus gesichtet.
Schöner Himmel gestern vom Gym aus gesichtet.

 
 
 

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