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Liebe Michelle

  • 23. Apr.
  • 6 Min. Lesezeit

Ich habe gerade diesen Brief Schreiben hinausprokrastiniert, in dem ich in der Morgenfrische vor der Bibliothek vor der Bibliothek gevapet habe. Okay, Morgenfrische ist vielleicht etwas übertrieben. Aber es ist bewölkt, mild, und die Sommerhitze lässt noch etwas auf sich warten. Ich trage ein schwarzes Sweatshirt und meinen hellblauen Pullover über meine Schulter geschmissen, so dass ich einer RN-Wählerin (Marine Le Pen’s Partei) gleiche. Ich stand da und genoss einfach, wie gut es mir gerade geht. Und ja, ich muss zugeben, dann habe ich gegoogelt, wie ich einen Job in Frankreich kriegen könnte (ich sehe ich gerade schreien, und keine Angst, i’ll be back). Vielleicht liegt meine Ausgeglichenheit auch daran, dass ich die letzten zwei Nächte wieder einmal je 7 Stunden Schlaf hatte, nachdem ich mindestens eine Woche lang mit gut 5h pro Nacht auskam. Aber das war okay. Denn es lag nicht daran, dass ich um 3h nachts aufwachte und auf meinen Balkon lief. Es hatte schönere Gründe. Verschiedene Gründe, aber alle schön. Emotionale Achterbahn Gründe. Der erste Grund ist: der CH-Slam 2026 in Bern. Obwohl das Wochenende für mich wettkampftechnisch viel weniger erfolgreich war als letztes Jahr, konnte ich es 10-Mal mehr geniessen. Ich war einfach nur da. Und nirgends sonst. Zumindest physisch, geistig war ich zum Teil schon auch an anderen Orten. Kleiner Recap also.



Am Samstag bin ich mit einer Blabla-Mitfahrgelegenheit von Montpellier nach Bern gefahren. Zuerst wurde ich aber von J. um 7h morgens zu der Blabla-Frau gefahren(omg, spoiler). Die Frau hat mich gestresst, da ich 5min zu spät war, deswegen konnte ich J. keinen Abschiedskuss mehr geben und er war beleidigt. Sehr fair. Die Fahrt gab Girlstrip-Vibes, da noch eine andere junge Frau mitfuhr. In Bulles nahm ich einen Zug nach Bern, wo das Abenteuer beginnen konnte. Ein bisschen hatte ich sie doch vermisste, die Schweizer Frühlingsluft und die Blumen, die Wiesen mit der wilden Natur. Und Bern ist eben schon ein schönes Pflaster, muss ich zugeben. Ich checkte in der Jugi direkt an der Aare ein und machte mich für meinen ersten Auftritt am Abend bereit. Wir fuhren alle gemeinsam mit den Shuttle nach Burgdorf, wo nochmals Texte durchgegangen und vor allem gutes Make Up montiert wurde, an diesen coolen Schminktischen mit runden Lichtern im Backstage. Sehr fancy. Meinen Text, in dem es hauptsächlich darum ging, dass ich gerade viel Sex habe und der in Teilen auf Französisch war, mochte das Publikum so was von gar nicht. Das ist wohl okay, war auch etwas gewagt. Danach war ich zugegebenerweise trotzdem etwas down den Rest des Abends lang, normal halt. Eigentlich war ich vor allem traurig, dass es kein Meme davon gab. I mean, come on. Aber verstehe die Zurückhaltung. Das Performen hat trotzdem Spass gemacht, ich habe nämlich sogar auswendig vorgetragen. Danach ging es mit dem Shuttle, in dem ich gevapet habe und dafür side-eyes bekam - aber der eine Franzose verhielt sich gleich - zum Afterparty-Karaoke nach Biel, bevor wir um 2 den Shuttle zurück nach Bern antraten. Zu dem Zeitpunkt habe ich mich dösend mit installierten Kopfhörern (habe Marshalls-Overhead auf leboncoin gefunden für 35€, aber sie fallen schon auseinander) zurückgezogen. What a day, ich war ziemlichausgelaugt.


Es gab schon Memes.(credit: Nadine Studer)
Es gab schon Memes.(credit: Nadine Studer)

Samstag dann Hypeday, morgens ein bisschen Slamsitzung, dann bin ich meine Rugbygirls supporten gegangen, die zufälligerweise einen Match hatten auf der Wankdorfwiese. Es tat so gut, sie alle zu sehen! Sie haben mich warm begrüsst. War richtig schön und ich hatte richtig Lust, wieder zu spielen (Knie sagt gerade nein, aber das ist ein anderes Thema). Und es war cute, gleichzeitig mit einer Person zu texten, die genau weiss, von was ich schreibe, kurz zu fragen, was pick-and-go auf Französisch heisst [auch pick and go] oder über einzelne Positionen des anderen Teams lästern). Aber ich wurde fürs Rauchen geshamet. O-Ton von M.: (sie ist Französin, eine unserer besten Spielerinnen, crazy gut): "You have to stop smoking, it’s not because you’re in France that you can start smoking".

Nach Curry mit Reis auf dem Bärenplatz, ich mich mit C. getroffen, um unseren Teamtext zu üben. Wir kamen richtig in den Flow, haben uns gegenseitig aufgehypt. Kurzum entschieden wir auch noch, den anderen Text zu machen. Nach kurzem Nap ging es dann auf ins Bierhübeli, wo wir uns mit den anderen Teams in den engen Backstage zwängten. Die Performance war sehr cool, auch wenn ich plötzlich wie blöd zu zittern begann, was mir noch nie passiert ist. Auch hier konnten wir das Publikum vielleicht nicht so überzeugen, wie wir das gerne gewollt hätten, aber wir waren trotzdem sehr zufrieden. Und ich bin auch davon überzeugt, was wir gemacht haben. We’re a good team. Ich glaube, ich bin am Punkt, wo ich sehr genau weiss, was ich gut finde und auch dazu stehe, wenn das dann nicht immer am besten ankommt. Und glaub mich, ich habe schon sehr viel Scheisse erzählt auf Bühnen, gerade letzten Sommer hatte ich manchmal miserable, peinliche Texte ausprobiert. Aber die Texte dieses Wochenende waren beide nicht miserabel. Wie du es schön gesagt hast: das Bern Publikum mag auch sehr gerne explizite, in-your-face-politische Texte, was nicht so mein Ding ist.

Danach habe ich euch alle getroffen, so schön, und V. war sogar noch da, die ich schon länger nicht mehr gesehen hatte. Da ihr aber keine Party-Animals seid (Spässli) habe ich dann mit C. und seiner Freundin und seinen 10 Jahre älteren Freunden Party gemacht. Und der Szene! Und wir haben getanzt! Und ich liebe Tanzen! Und dann lief ich leicht betrunken am Bundeshaus vorbei zurück zur Jugi.



Sonntag: Frühstück zu früh, da es nur bis halb 10 z’Morge gibt. Dann E. und J. zum Zmittag treffen auf der Grossen Schanze. Über J. und über Segelpläne reden. (Okay sorry, jetzt wird es hier wirklich unverständlich kryptisch). Slamszene-Meeting. Falafel zum z’Mittag mit J. (hahahahahah nochmals eine ganz andere Person), die jung ist und es ins Finale geschafft hatte und unglaublich funny ist, ich sage es hier (okay, ich nenne ihren Namen) Johanna Ruoff wird noch zu reden geben. Obwohl sie besser ist, konnte ich ihr pep talk geben, der ihr gut getan hat. Dann etwas emotional drama, bevor es zum Finale im Stadttheater ging. Noch einmal Zigis schnorren kurz davor. Und dann die billigen Plätze beziehen.



Das Finale fand ich wirklich ein grosser Genuss. Ich habe Tränen gelacht bei einem Text über Göläs Penis (so ungefähr) und Hühnerhaut gehabt bei Olivia Vera, die über ihre Beziehung mit einer Frau schrieb und wie das im Dorf doch noch zu reden gibt und sie Mühe hat, die internalisierte Scham abzulegen, so offen, so ehrlich, so ungekünstelt. Ich liebe ihre Texte und sie hat dem Vera-Slam-Clan Ehre erwiesen durch ihren Finaleinzug. Dann noch ein letztes Mal Bier und Schwatzen und Zigis schnorren und auch wenn ich das in so grossen Gruppen nicht immer einfach finde, habe ich mich dieses Jahr schon viel mehr als Teil des Szene gefühlt und konnte es sehr geniessen.  


Credit: Valerio Moser.
Credit: Valerio Moser.

Montagmorgen war dann Vera-Hardcore mit verpasstem Flixbus, verlorenem und wiedergefundenem Moonbag im Bus etc. Aber alles mit vollem Herzen und deswegen okay. Im Bus dann dösend auf beide Sitze gelegt und einen 15-Seitigen Brief geschrieben mit einer Quintessenz: ich bin verliebt.


Am Dienstagmorgen war ich nach ungefähr 3,5 Stunden Schlaf und einer Prüfung um 8h morgens emotional am Ende. Leben hinterfragt.


Aber ja, mehr muss ich vielleicht gar nicht sagen, habe schon viel darüber an dich geschrieben. Und sonst wird V. sagen, dass sie eh schon alles über mein Leben weiss ;) Shoutout an dieser Stelle.


Es ist so wie alle Anfänge wahrscheinlich. Ca parle, ça baise. Und es ist kurzfristig, aber sorry, man soll sich doch auch nicht die Überraschungen vom Leben nicht geben lassen. Oder so. Okay, ich hör jetzt auf.


Ich möchte hier noch J. (weiblich) erwähnen, da ich es so gerne mag, wie sie immer zu mir zum Kaffee kommt und sie ist noch gut einen Monat hier und ich werde sie vermissen.


Noch kurz zu den Kategorien, danach muss ich die Jacke holen gehen, die ich bei der Blabla-Frau im Auto vergessen hatte.


Etwas zum Lesen: hatte nicht wirklich Zeit sorry, aber omg so fucking peinlich, habe vergessen (trotz Erinnerung im Kalender)  mein Zeit-Probeabo zu künden. Deswegen wahrscheinlich: die Zeit.


Etwas zum Hören: Shatta, besonders die Gruppe P.L.L. Läuft wahrscheinlich unter guilty pleasure, weil die Texte sehr fragwürdig sind, aber ich liebe den Beat. Ich gehe im Juni an ein Festival in Marseille und ziehe mir gerade die ganzen Acts rein.


Etwas zum Essen: Keine French-Tacos, nach wiederholtem Versuchen muss ich hier festhalten, dass ich nicht mehr nur für den Vibe French-Tacos bestellen sollte. Vera, du magst das nicht!! Nimm ein Kebab, Falafel whatever!


Etwas zum Glotzen: Habe the drama vor einer Woche im Kino gesehen. Fand es besser als die anderen mit mir im Kino, aber ich glaube auch, dass ein Film mit Zendaya sehr schlecht sein muss, dass er mir nicht gefallen würde.

 

Sodeli, die Vorfreude, dass ich dir bald das Meer hier zeigen kann, steigt. Bis dann, machs gut und gutes Durchhalten mit den Endsemesterstress, der bald auf dich zukommt, oder schon da ist.


Tausend Küsse. Gros Bisous!



Vera



She’s waiting for you <3
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