Liebe Vera
- vor 9 Stunden
- 6 Min. Lesezeit
Bevor ich richtig beginne: auch hier noch ein online »Happy Birthday« um das festzuhalten. Du konntest deinen Geburi am Meer feiern, wie cool ist das denn bitte?! Ich hoffe, der Tag war alles, was du dir gewünscht hast, ich hoffe, du warst die wichtigste Person. All die Worte nur für dich hast du schon bekommen. Ich bin stolz auf dich, du bist super, ich bin echt glücklich, eine Freundin wie dich zu haben, das weisst du alles schon. Aber jetzt ist es auch noch im Internet festgehalten. Und das vergisst bekanntlich nie.
Dein letzter Brief war echt wertvoll und ich habe mit einigen Leuten darüber gesprochen, aber leider mag ich nichts Schweres zu Papier bringen. Du weisst, was mich gerade umtreibt, aber ich fokussiere mich auf all das Positive, das mit der Hitze, über die sich so viele Leute schon wieder beschweren, gekommen ist. Du kommst wieder einmal in den Genuss meiner Notiz-App Ausschnitte – vom überhitzten Misch-Hirn auf deinen Screen.
25. Mai 2026, 00.24 Uhr
Du hast Geburtstag, Vera, und alles erinnert mich an dich. Diese klebrige Hitze, die du genauso magst wie ich, dieses Gefühl von Anfang, von Ferien, die gleich um die Ecke lauern, diese lauen Nächte im Mai, die sich bereits nach Sommer anfühlen. Ausserdem riecht es nach Holunder und ich denke an all die Sirupkochnachmittage mit L. Warst du auch dabei? Ich bin nicht mehr sicher, entschuldige. All die klebrigen Töpfe und Schüsseln und den Zitronensaft auf unseren T-Shirts und Händen. Die zuckrigen Flecken auf dem Herd, auf der Kücheninsel, am Kühlschrankgriff. All die Glasflaschen, an denen wir uns verbrannten, aber es lohnte sich für die 30 Liter Sirup, die wir gerade abkochten, damit dieser Geschmack von Sommer auch noch im Dezember im Kellerregal gelagert blieb. Dieses dickflüssige Sommergefühl, das auch ein Freiheitsgefühl und ein »Wir haben unsere Matur«–Gefühl war und auch ein »Wir haben drei Monate Zeit für alles, was wir schon immer tun wollten«–Gefühl. Fast spüre ich das Kribbeln in mir, dieses Kribbeln von früher. Dann denke ich daran, dass ich gerade von L. komme. Von dieser WG, in der ich einen Grossteil der letzten fünf/sechs Jahre verbracht habe. Auch das ist ein ganz wunderbares Kribbeln. Vielleicht ein noch besseres. Ich denke daran, dass du bald immer noch (fast) in der Nachbarschaft bleibst, wir wieder nur fünf Velominuten voneinander entfernt wohnen werden, obwohl du umziehst. Der ganze Sommer steht uns offen. Was ein Privileg.
26. Mai 2026, 21.43
P. und ich sitzen im kühlen Birswasser, ich mache mir Sorgen um meinen Rücken, den ich nicht eingecremt habe, doch nicht genug, um schon wieder aus dem Wasser aufzustehen. Zu schön fühlt es sich an. Wir haben uns eingenistet an diesem Strand, schieben das Lernen für die Prüfung morgen noch etwas weiter hinaus. Dann tauche ich noch einmal unter, schlage mir mein Knie an einem Stein an, genau an der Stelle des geplanten Tattoos, weil das Wasser doch nicht so tief ist, wie ich dachte. Ich kneife die Augen zusammen, bereue es kurz, habe ich Linsen nicht gegen Brille getauscht, bevor wir gegangen sind, weil ich jetzt nicht wie früher im Schwimmbad mit offenen Augen nach Fischen suchen kann. Mir nicht einbilden kann, dass die Fische mich genauso anschauen wie ich sie.
27. Mai 2025, 21.25
Das ist der zweite Birs und Sarti Spritz und Balkon Abend vor einer Prüfung, den P. und ich uns gönnen. In Folge. Vielleicht muss man ins 5. Mastersemester kommen, um abschätzen zu können, wie viel man wirklich für eine Prüfung lernen muss. Oder wie gut man den Goodwill der Profs ausnützen kann. Aber uns beiden liegen schriftliche Prüfungen. Kommt schon gut. Die Sonne auf unserer Haut, die offenen Haare im kühlen Wasser, mein neuer Bikini, die Vape am Sandstrand beim kleinen Wasserfall, die Tropfen auf unseren Schultern, die Gespräche fühlen sich zu gut an, um sich schon ins Zimmer zu verkriechen und die Notizen noch einmal durchzugehen. Es ist Sommer, Vera! Und sag mir jetzt nicht »Es ist erst Mai, imfall!«, denn es war gerade vier Tage in Folge über dreissig Grad warm. Auf unserem Balkon spriessen die Blumen endlich, die nassen Bikinis und Badetücher tropfen von der Wäscheleine. Es ist Sommer, es ist Sommer, es ist Sommer!
Was zwischendurch auch gut noch war: beide Prüfungen geschrieben (waren beide okay), Eiskaffee danach; eine Tasche, die ich vor zwei Wochen fast gekauft habe, die dann aber zu teuer war, war 70% heruntergeschrieben, als ich diese Woche im Laden war (slay); Bier am Barfi mit L.; Champions League Final (mit Penalty!) mit P. und W. im Weidli; Genferseebilder geschickt bekommen von S.; Panini-Bildi aufmachen mit P.
In good old Misch-Fashion habe ich natürlich bereits eine Liste gemacht mit Dingen, die ich diesen Sommer noch machen möchte. In dr Birs go bade, war der erste Punkt. Ich war schon drei Mal. Werde ich wohl noch viele Male machen. Trotzdem fühlt es sich gut an, etwas durchzustreichen. Es sind einfache Dinge dieses Mal. Erreichbare Dinge. Dinge, die ich bereits geplant habe, andere, zu denen ich mich mehr verpflichten will. Here goes:
Public Viewing
Badi-Pommes ässe
go wandere
Sunneufgang luege
uf em Balkon übernachte
Open Air Kino
Minigolf
Maniküre
Usgang in Züri
Zimmerwand striiche
Picknick in de Grüen80
Mit em Velo in d Gülle
Postcharte verschicke
1x Usgoob vo »Misch + Veras Buechclub« (Infos ganz unde!)
Schutte
Swinggolf
Rhyschwümme
hot aussehen auf beiden Hochzeiten
Alles im sehr erreichbaren Rahmen, finde ich. Kann als Inspiration dienen, wenn ich mal nicht so recht weiss, wie ich mich beschäftigen soll. Die etwas wichtigeren Punkte, die da auch noch draufstehen, aber nicht so spassig sind, sind:
Seminararbeit schreiben
Masterarbeit anfangen
einen neuen Job finden
Macht weniger Lust auf Sommer als die anderen Punkte, sind wir ehrlich. Aber die TikTok Girlies sagen immer »Romantacise your life.« Ich bin ziemlich gut darin, würde ich sagen. Vielleicht können wir ja die UB oder das Recherchieren und Schreiben in Kaffis oder in der GGG etwas »romanticisen«, wer weiss.
Etwas zum Glotzen: Ich schau die Show eigentlich nicht, aber auf Vox läuft gerade Sing meinen Song. Diese Woche war die Tream-Folge, also musste ich sie schauen. Ich habe mich vor ein paar Monaten sehr in ihn verliebt, wenn ich ehrlich bin. Meistens etwas kitschig, er nennt sich selbst Schlagerrapper und du kennst ja meinen leider etwas peinlichen Softspot für Schlager – absolute Banger. Andere Musiker*innen seine Lieder performen zu sehen war mega, mega schön und hat mich für eine Vox-Sendung überraschenderweise sehr berührt.
Etwas zum Hören: Im Sinne der Glotz-Empfehlung und dem Sommer-Kitsch heute »Zelten auf Kies« von Tream. Trifft das alles gerade sehr gut. Mein Glas ist noch nicht leer / Im Sommer geht noch mehr.
Etwas zum Trinken: P. und ich haben diese Woche zum ersten Mal Sarti Spritz getrunken. Mein Cousin meinte an Weihnachten zu mir »Michelle, das isch doch sicher di Shit, dä isch so huere pink« und seither will ich es probieren. Besser als Aperol Spritz. Hat sie nicht gesagt!
Etwas zum Lesen: Ich empfehle wieder einmal etwas, was ich noch nicht fertiggelesen habe, aber ich lese endlich »Babel« von R. F. Kuang und ich bin komplett drin. Musste das Tempo diese Woche leider etwas drosseln wegen der Prüfungen, aber ich freue mich darauf, mich am Wochenende irgendwo im Schatten darin zu verlieren. Linguistikstudis auf ganz wilden Sidequests, Aufarbeitung von ganz viel Kolonialgeschichte, ein bisschen Magie, Freund*innenschaften und einfach soooo eine schöne Sprache. Wirklich absolut riesige Empfehlung.
Song-Lyrics der Woche: You’re dancing down the hall, baby (Little More Time, Niall Horan)
So, langsam ist mein Meer-Speicher wieder leer. Deiner ist wohl so voll wie noch nie. Lad diese Batterie noch einen Monat lang auf, damit du so lang wie möglich davon zehren kannst. Die Birs ist auch gut (obwohl du hatest), aber hat nicht den gleichen Effekt. Und bevor du fragst: die Romance wächst immer noch, nur nicht in wirklich chronologischer Kapitel-Reihenfolge, daher wird das noch zurückgehalten. Wenn ich die Zwischenteile habe, wird aber alles sofort verschickt, no worries!
Ich beende diesen Brief auf meinem schattigen Balkon. Im Sommer bin ich dann jeweils doch froh, haben wir dort keine Abendsonne. Der Sommer fängt gerade erst an, Vera. Und obwohl ich nicht so richtig in die Ferien fahre, habe ich bereits so viel vor. Ich bin ich ein Wochenende in Rom (wieder einmal 16 Stunden Zug fahren für ein Wochenende), und ich besuche mein Mami und Gotti für zwei Tage in ihren Campingplatz-Ferien im Wallis, darauf freue ich mich ganz doll. Dann ist auch noch unser WG-Hopping, der Züri-Tag mit J., der geplante Ausflug ins Gartencenter Zulauf in Schinznach und ganz viel anderes. Und im Juli kommst du schon wieder heim. Es geschieht also noch so viel Wunderbares, da kann ich gar nicht anders als mich freuen! Hype, hype, hype!
Alles Liebe
Michelle
📚Infos zum Buchclub📚
Ich wollte ja schon vor zwei Jahren oder so aufrufen zum Buchclub in unserer Freund*innengruppe, habe dann aber (auch in good old Misch-Fashion) nie durchgezogen. Jetzt verpflichten wir uns aber zu zweit. Dann sollte das klappen!
Wir lesen »Meine geniale Freundin« von Elena Ferrante, weil ich das schon lang (noch einmal) lesen möchte und weil es ein mega gutes Buch ist. Und ich in den letzten Wochen mit zu vielen Leuten darüber geredet habe, dass sie es eigentlich schon lange auf der Liste haben. Darum: let’s go. Gerne melden, wenn wer interessiert ist. Die Gruppe besteht erst aus Vera und mir, pls join! ✨




Kommentare