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Liebe Vera

30. Dez. 2025
7 Min. Lesezeit

Kurze Vorwarnung: der Brief ist etwas wirr. Aber ich hatte zu viele Ideen und hab sie etwas zusammengewürfelt. Das nur vorab. Enjoy!


Mittlerweile habe ich mich vom Weihnachts-Hattrick erholt und bin schon wieder zuhause. Weihnachten war anders als in anderen Jahren, ich war irgendwie entspannter während den Festen aber gestresster zwischendurch. Am Weihnachtsmorgen am 25. musste ich meinen Bruder anrufen, weil ich kurz dachte, gleich kippt alles. Meine Brust zog sich wieder einmal zusammen, aber B. half beim Beruhigen. Nur ein Streifschuss also, aber trotzdem etwas unchillig während der Festtage. War generell ein emotional verwirrender Tag irgendwie. Aber der Abend war dann sehr schön, darum war die Achterbahnfahrt dann komplett und im Endeffekt eigentlich gut. Vieles war wohl hormonell bedingt, ich habe am 24. meine Tage bekommen, aber nur weil ich den Grund für das Auf und Ab kenne, macht es das nicht unbedingt einfacher.

 

Gerade versuche ich, einen Rhythmus in meine Semesterferien zu bringen. Das Arbeiten hilft, aber trotzdem bleiben da noch fünf Tage in der Woche, die sich etwas zu gut zum Nichts-Tun und zum Versauern anbieten. Trips in die Bibliothek, Gym, joggen, Kaffee-Dates und Telefonieren wirken dagegen an. Ausserdem trägt mich meine momentane Uni-Euphorie (die ja bekanntlich in Wellen kommt), gerade noch etwas durch diese Tage. Ich manifestiere fleissig, dass sie noch eine Weile andauert. Trotzdem war das zuhause rumhängen diese Woche auch sehr okay, diese Zwischentage nach Weihnachten bieten sich zu gut dafür an.

 

So, genug von den allgemeinen Updates, nun zum Eigentlichen, von dem ich schreiben wollte. Achtung: das wird ein Listen-lastiger Brief. Ich habe überlegt, das alles auf mehrere Briefe aufzuteilen, aber ich gehe mit dem Flow. Und der Flow lässt mich gerade ganz viele Listen schreiben. Mein Tagebuch ist voll davon. Dinge schriftlich festzuhalten und sie je nachdem abhacken zu können, hilft enorm. Darum hier die drei Listen, die ich gerne mit dir (und euch) teile!

 

Zuerst meine 25 Takeaways und Learnings (sorry, Begriffe aus dem Büro, aber ich arbeite jetzt ja im Marketing, darum okay) aus dem letzten Jahr. Einige Dinge wusste ich schon vorher, aber sie haben sich wieder einmal bestätigt.  

 

  1. Es ist okay (sogar sehr okay), beim Lesen von Liebesgedichten an Freund*innen zu denken.

  2. Allein sein (im Sinne von «nicht in einer Beziehung») sein ist gewöhnungsbedürftig und oft echt schwer, aber immer wieder auch befreiend und oft echt schön.

  3. Ich sollte chillen.

  4. Viele Knoten im Kopf lösen sich, wenn man langsam auf 10 zählt. Und wenn das nicht hilft, einfach weiter zählen. Wenn es sein muss bis auf 374.

  5. Atmen löst auch ganz schön vieles.

  6. Ich habe meine FOMO nicht so gut abgelegt, wie ich dachte.

  7. Ich bin sehr gut in englischen Kreuzworträtseln.

  8. Mehr lesen und weniger scrollen macht mich glücklicher, doch ich schaffe es nur ganz, ganz selten, mehr zu lesen als zu scrollen.

  9. Ich kann mich immer noch sehr gut für kleine Dinge begeistern und das ist ganz schön viel wert. 

  10. Ich bin schlecht in den meisten Gesellschaftsspielen. Vor allem Yahtzee. Wer sagt, das Spiel sei reines Glück, liegt falsch. Ausgenommen davon sind Tabu und Scrabble.

  11. Andere zu verstehen und sich verstanden zu fühlen ist nicht selbstverständlich. Es lohnt sich immer, den wichtigen Leuten zu sagen, dass sie die wichtigen Leute sind.

  12. Die Sache mit dem Geld ist immer noch schwierig für mich und ich muss sparen lernen. Aber ich werde besser.

  13. Fussball fetzt.

  14. Ein aufgeräumtes Zimmer hilft beim Denken.

  15. Rennen auch.

  16. Ballermann- und Popsongs auch.

  17. Mit meinem Bruder ist alles besser.

  18. Es ist geil, seinen Bizeps anzuspannen und einen sichtbaren Unterschied zu erkennen.

  19. Glitzer und pinke Sachen multiplizieren jegliche positive Energie mindestens fünffach.

  20. Ich liebe telefonieren und ich habe ganz viele Kontakte in meinem Handy, die ich jederzeit anrufen kann.

  21. Ich vermisse es, so richtig verliebt zu sein.

  22. Ich liebe Literatur. Ich liebe mein Studium.

  23. Schreiben hilft, ganz viele Dinge besser zu verstehen. Viel zu schreiben hilft noch mehr.

  24. Basteln, stricken, nähen, collagieren muss nicht perfekt sein. Mein Kopf sortiert sich, ob sich das Endresultat sehen lässt oder nicht.

  25. Meine starken Gefühle, meine Empathie, mein schnell geschenktes Vertrauen sind zwar häufige Stolperfallen, aber viel häufiger sind sie auch grosse Stärken.

Kitschig, kitschig, kitschig. Aber das ist meine Laune in diesen Tagen zwischen den Jahren. Während denen mein Zeitgefühl irgendwie suspendiert ist, während denen ich morgens ohne schlechtes Gewissen die drei neuen Folgen Stranger Things im Bett schauen kann, bevor ich überhaupt aufgestanden bin, während denen ich mein Zimmer aufräume und ausmiste, um etwas geordneter in dieses neue Jahr rutschen zu können. Ich kenne viele, die daran festhalten, dass dieser Jahreswechsel überbewertet ist und man die meisten Dinge auch an einem random Dienstagabend verändern kann, wenn man das möchte. Aber als ADHS-Girly bedeuten mir diese offiziellen Zeitsprünge wie neue Jahre oder neue Semester oder andere Anfänge doch immer noch viel. Solche Neuanfänge helfen mir, mich zu strukturieren, daher zelebriere ich sie gerne.

 

Ich gehe jetzt nicht darauf ein, welche Jahresvorsätze vom letzten Jahr ich geschafft habe. Ganz viele habe ich nicht geschafft, doch das ist halb so schlimm. Ich kann sie ja mit ins neue Jahr nehmen. Wenn ich schon einen schaffe, kann ich stolz sein, finde ich. Meine Therapeutin meint oft, ich muss mein Schwarz-Weiss-Denken ablegen. Meistens gelingt mir das nicht so gut, doch bei diesen Listen habe ich kein Problem, etwas nachsichtiger mit mir zu sein. Darum hier 26 Dinge, die ich im 2026 machen will.

 

  1. Starting off with a Banger (alle Jahre wieder): Mein Buch fertigschreiben.

  2. Mein Französisch wieder aufbessern. Dazu gehört: mehr französische Podcasts hören, Filme schauen und 2 Bücher lesen.

  3. Mein Zimmer länger in aufgeräumtem Zustand halten.

  4. Regelmässiger meine Atem-/Meditationsübungen machen. Denn eigentlich helfen sie ja schon, auch wenn es sich immer etwas spiessig anfühlt.

  5. Mein blaues Notizbuch füllen.

  6. Meine Finanzen in den Griff kriegen und etwas Geld zur Seite legen.

  7. Zwei Klimmzüge schaffen.

  8. 10 Kilometer rennen.

  9. Meine Masterarbeit anfangen.

  10. Mindestens 2 Seminararbeiten schreiben und abgeben.

  11. 75 Bücher lesen.

  12. Nach Hause kommen, wenn es schon hell wird.

  13. Mir mehr Zeit für mich nehmen.

  14. Den Handstand können (lol, das ist absolut delusional, aber ich nehme es drauf).

  15. Mehr Filme schauen.

  16. Meinen Uni-Hype etwas besser aufrechterhalten.

  17. Mehr Tagebuch schreiben.

  18. Weniger Bildschirmzeit.

  19. Weniger rauchen.

  20. Mehr kochen.

  21. Netter zu mir selbst sein.

  22. Meine Post (analog und digital) besser im Griff haben.

  23. 5 Filme im Kino sehen.

  24. Ein Wochenende allein wegfahren.

  25. Meine Pflanzen überleben das nächste Jahr.

  26. Mehr dehnen.

 

Nichts sonderlich Aufregendes, aber wir nehmen es. Die Kategorien lasse ich heute aus. Aber es folgt die letzte angekündigte Liste. Meine 10 popkulturellen + materiellen Highlights des Jahres. Es sind nicht alle von diesem Jahr, aber ich habe all diese Dinge in diesem Jahr konsumiert oder mitbekommen. Keine spezifische Reihenfolge.

 

K-Pop Demon Hunters Der Film ist ein absoluter Banger. Nachdem mir drei Leute unabhängig voneinander sagten: «Misch, du muesch de luege, das isch din Shit», habe ich ihn mit meinem Bruder geschaut. Es war absolut mein Shit. Leute kennen mich anscheinend. Der Film ist wirklich cool animiert, die Lieder sind alles Banger und der Plot ist auch mega herzig. 10/10.


The Compound – Aisling Rawle

Dieses Buch beschäftigt mich immer noch nachhaltig, seit ich es im Sommer gelesen habe. Es wird in den meisten Blurbs als Mischung zwischen Love Island und Hunger Games beschrieben, was es eigentlich ziemlich gut trifft. Ich war komplett angespannt während des Lesens, aber auf diese gute, aufregende Art, bei der man unbedingt wissen will, wie es weiter geht und das Buch nicht aus der Hand legen kann. Wirklich mega gutes Buch. Und ein Debüt! Echt krass!

67

Als ich zum ersten Mal einen 67 Witz gemacht habe, hat mein Bruder mich «Unc» genannt, was ein bisschen wehgetan hat. Ich finde das ganze «Ach, die heutige Jugend ist verloren, wenn sie das lustig findet» Gedöns von Ü40 Leuten (das Gespräch fand an unseren Familienfeiern wiederholt statt) echt übertrieben, aber vielleicht ist es halt einfach immer so. Eltern verstehen nicht, was ihre Kinder lustig finden. Ich jedenfalls gönne es jedem Kind, das vor Lachen fast stirbt, sobald die Zahl genannt wird. Ausserdem habe ich noch nie jemanden so sehr cringen gesehen wie meine 13-jährige Cousine, als ihre Mutter 67 an Weihnachten gesagt hat und die Handbewegung dazu gemacht hat. Das war sehr unterhaltsam.


Videos von Leuten in solchen Kostümen finde ich etwas vom Lustigsten, was existiert. Hier drei weitere Videos, aus meiner «Absoluti Banger» Sammlung:


I Doubled My Run Every Day For 18 Days - WillNE

Es klingt nicht so, aber das ist mein absolut liebstes Video auf YouTube. Mega herzig, mega schön, ich muss so jedes dritte Mal, wenn ich es schaue, weinen. Echt sehr schöne Beobachtungen zu Freund*innenschaften am Schluss, die mich hopps nehmen. Ausserdem lässt es mich immer für so stabile zwei Wochen wieder in einen Jogging-Hype abdriften. Ich nehme die Motivation, wie sie kommt.


Fussball

Wer hätte es gedacht? Ich habe mich echt mit der Sportart angefreundet. Sogar ein bisschen verliebt. Ich bin obsessiv beim Fantasy Premier League dabei, P. und ich veranstalten regelmässige Champions League Abende und Newcastle hat mein Herz, obwohl sie leider in der unteren Tabellenhälfte sind. Das stand echt nicht auf meiner Bingo-Karte fürs 2025.


Stranger Things

Zum Zeitpunkt, zu dem ich das schreibe, ist die letzte Folge noch nicht draussen. Ich bin angespannt und habe legit ein bisschen Angst, dass sie noch alles kaputt machen. Aber ich hoffe auf einen guten Abschluss meiner Lieblingsserie. Die fünfte Staffel sonst war Peak. Wurde inhaliert.


Emily Henry

Eine neue Welt von Romance-Novels hat sich mir eröffnet! Ich habe vier ihrer Romane gelesen, spare mir die anderen beiden von ihr gerade noch etwas auf. Aber sie schreibt so gut, mit so viel Herz, und die Dialoge! Die Dialoge! Wirklich unglaublich gut. Trotzdem war es etwas ernüchternd, als ich gemerkt habe, dass ich mittlerweile mit Figuren anfangs 30 besser relaten kann als mit Figuren anfangs 20. Für alle, die sich überlegen, etwas von ihr zu lesen: Book Lovers ist mein absoluter Favorit, aber Funny Story ist ein knapper zweiter Platz.


The Fate of Ophelia – Taylor Swift

Man kann vom neuen Album halten, was man will, aber dieses Lied ist ein Banger. Sogar L., die sonst nichts mit Taylor Swift anfangen kann, hat letztens zugegeben, dass sie dieses Lied hört. Sogar wenn ich nicht dabei bin!


Ultimate Glow Shots Liquid Eyeshadow von NYX (in Weiss)

Ich kann nicht viel dazu sagen. Absolut glitzrig, absolut geil.


So, ich habe gemerkt, dass 10 Dinge gar nicht so viel sind. Bevor ich abschliesse also noch alle anderen honorable Mentions: Shirin David, Emma Stones Pixie Cut, das Smithwick Pintglas, das P. mir aus ihren Irland-Ferien mitgebracht hat, Labubus, Ulysses von James Joyce, mein Hummel Handball, diese eine geile Jacke, die ich fertiggestrickt habe, Carrie Coons Monolog in der dritten White Lotus Staffel, Inbetweeners (die reudige, britische 2000er Serie), meine Zimmerpflanzen, Palm Springs (der Film), Lübeck (die Stadt), Nick Woltemade, Over-Ear Kopfhörer, mein E-Reader, APT von Rosé und Bruno Mars und Smithwicks Bier (das es im Flangans Pub in Basel gibt, Vera, wir müssen unbedingt mal da hin!).

 

Dieser Brief liest sich echt wie ein wirrer Buzzfeed-Artikel, merke ich gerade beim Durchlesen. Aber ich glaube, in einem anderen Leben schreibe ich genau solche Artikel für irgendeine ranzige Content-Farm. Darum: tant pis, wie du so gerne sagst.

 

Rutsch gut, meine liebe Vera. 2026 wird spannend und neu und anders, aber hoffentlich genauso aufgedreht und laut und erfahrungsreich wie 2025.

 

Alles Liebe, Michelle



 

Dieses Plüschtier gab es vor Weihnachten im Fizzen. 40 Stutz dafür. What the fuck?
Dieses Plüschtier gab es vor Weihnachten im Fizzen. 40 Stutz dafür. What the fuck?

 
 
 

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