Liebe Vera
Oh mein Gott, unser erster Substack-Post. Ich hoffe, ich mache ihm alle genug Ehre. An alle Leser*innen: Wir posten die nächsten paar Briefe noch doppelt, aber danach wechseln wir komplett zu Substack. Unser Webseiten Anbieter macht zu viel KI-Scheiss und ist teuer. Wir haben bestehende Adressen, die abonniert waren, rübergenommen, falls ihr die Mails nicht mehr wollt, einfach ungeniert abbestellen. Aber bitte nicht abbestellen, we love you! <3 Das nur vorab für alle Verwirrten.
Die letzten Wochen waren ein Auf und Ab bei mir. Ich habe Stimmungs-mässig meistens einen Crash im Oktober oder November. Je nachdem, wann mich das Semester einholt. In mir war also alles ein bisschen chaotisch, ich hatte zwei komisch, verwirrende Wochen, die in einem Notfall-Besuch im Unispital um 22.00 Uhr an einem Samstag kulminierten. Zum Glück nichts Schlimmes. Nur peinlich. Aber auch eine ziemlich gute Story, und das ist uns beiden ja bekanntlich immer wichtig.
Kurzfassung: Mir ist ein Beamer auf den Kopf gefallen.
Längere Version: Mein Bruder und ich haben uns am Samstagabend bei mir getroffen, um einen Film zu schauen. Wir haben Znacht gemacht, haben uns im Wohnzimmer eingerichtet, einen Film geschaut, den sonst niemand mit uns schauen würde – Coyote vs Acme. Ich liess mich träumen von einer Welt, in der wir zusammen wohnen und wie schön das wäre, weil wir so nah sind und P. nächsten Sommer auszieht und es gerade im Raum steht. Der Abend war wirklich wunderbar.
Kurz zum Film: Es geht um Wile E. Coyote aus dem Looney Tunes Universum und ist so ein Mischfilm mit Cartoons und echten Schauspielern (in der Hauptrolle Will Forte, den ich sehr gerne mag). B. und ich lieben die Looney Tunes. Wir haben das früher immer geschaut. Ausschliesslich bei Papa, in seiner kleinen Wohnung, bevor er unsere Stiefmutter kennenlernte, als er noch allein wohnte. Wir schauten Abende lang Trickfilme, schrien die Catchphrases von Bugs Bunny und dem Roadrunner rum, äfften Duffy Duck nach. Peak. Im neuen Film geht es jedenfalls um Wile E. Coyote (aus den Roadrunners Skits), der die Firma Acme verklagt, die all sein fehlerhaftes Equipment zur Roadrunner-Jagd hergestellt hat. Bezeichnet wird der Film in den meisten Beschrieben als «legal comedy film», denn ein grosser Teil findet im Gerichtssaal statt. Wirklich unglaublich lustig, ich sag’s dir. Grosse Empfehlung!
Nach dem Film blieben uns noch zehn Minuten, bevor B.s Bus fuhr, daher wollten wir uns noch einmal auf dem Sofa einrichten und ein paar Minuten gemeinsam TikTok scrollen (don’t judge). Als ich mich hinsetzte, riss ich am Kabel und der Beamer fiel auf meinen Kopf. Hilarious, ich weiss. Vor allem, weil es schon einmal passiert ist, aber halt ohne Schmerzen. B. und ich haben ziemlich lange gelacht, bevor wir bemerkten, dass mein Kopf doch ziemlich blutet. Dann wechselte meine Stimmung sehr schnell in Panik. B. rannte durch die Wohnung, um nach einem sauberen Lappen zu suchen, den ich auf die Wunde drücken kann, während ich mit Schnappatmung im Wohnzimmer auf dem Boden sass, weil ich spürte, dass das Blut meinen Nacken hinunterläuft. Dann machten wir das, was eine fast 27-Jährige und ihr 24-jähriger Bruder tun, wenn sie überfordert sind: Wir riefen Mama an. Die war zwar auch aufgeregt, aber etwas klarer. Wir nahmen schliesslich ein Taxi zum Unispital (40 Stutz, ciao), waren eine Stunde auf dem Notfall, und konnten dann gleich wieder nach Hause. Ich musste nicht einmal nähen. »Nur en Hick«, meinte die Ärztin, während sie die Wunde klebte, mich anwies, meine Haare erst nach 48 Stunden wieder zu waschen, und danach ohne eine Verabschiedung aus dem Untersuchungszimmer hastete. Ich fühlte mich fast ein bisschen schlecht, ihre Zeit in Anspruch genommen zu haben. Die Ironie dieses »Unfalls« nach einem Looney Tunes Film entgeht mir übrigens nicht, keine Sorge. B. hat mich bereits im Taxi darauf hingewiesen.
Alles halb so schlimm also. Nur ein kleiner Schock, ein paar Blutflecken auf einem meiner Lieblingsshirts (rip) und eine Anekdote. Das Ranzigste am Ganzen war, dass ich zwei Tage das Blut nicht aus meinen Haaren waschen durfte, aber auch das hab ich überlebt. Es fühlte sich aber an wie eine logische Folge der Tage davor. Diese ganze nervöse Energie in mir hat sich im Beamerunglück entladen, denke ich. Mit einem weiteren Hick im Kopf und einer Unfallmeldung mehr bin ich also in die zweite Oktoberhälfte gestartet. Ich sehe es als kleinen Cut an. Mir ist ein Beamer auf den Kopf gefallen. Schlimmer wird es nicht mehr. Jetzt fängt ein neues Leben an. Oder so.
Seither kann ich den Herbst etwas mehr geniessen. Die Messe hat angefangen, nächste Woche gehen wir als (fast) ganze Gruppe in den Ausgang, die Handballsaison beginnt endlich richtig, ich bin schon Calypso gefahren. Alles ist einfacher, wenn man Calypso gefahren ist. Viele gute Dinge passieren gerade. Fokus darauf.
So, jetzt muss ich noch auf dich eingehen. Ich weiss nicht, ob ich es dir schon gesagt habe, aber ich bin so unglaublich beeindruckt von deinem Comedy/Stand Up Projekt gerade. So cool, Vera, sorry! Du weisst, ich könnte nie. Ich will nie auf einer Bühne stehen und mich so exponieren, aber ich liebe Comedy Writing und konsumiere selbst auch ganz viel. Mit dir darüber zu nerden, was vor welchem Publikum funktioniert und was nicht, finde ich so spannend. Ich könnte stundenlang darüber reden. Tun wir momentan ja auch. Ich habe mich sogar verletzlich gemacht und dir meine Sketches geschickt, die schon lange in meiner Notizenapp leben, aber erst teilweise ausformuliert sind. Ich schaue mir gerade auch sehr viel Sketch-Comedy an, muss ich sagen. Viel altes SNL Zeugs, die neueren SNL UK Sachen (so gut omg, dazu ein anderes Mal mehr), Sketchcomedy auf TikTok und Insta halt. Und auch ziemlich viele Impro-Sachen. Hat einen schlechten Ruf, ich weiss, aber wenn gute Schauspieler*innen und Comedians Impro machen ist es eben meistens auch ultra lustig. Du hast mich also etwas angesteckt und auch inspiriert, und ich freue mich, bald einmal zuschauen zu kommen bei dir! Komödien Hype zeichnet sich auch deutlich in den Glotz-Empfehlungen ab, ups.
Heute kürzer, dafür mit ausführlicheren Kategorien und Mehrfachempfehlungen.
Etwas zum Lesen: Ich habe im letzten Monat gefühlt nichts gelesen. Ich bin immer noch an all den Büchern, die ich eigentlich gut finde, aber irgendwie kann ich mich nicht aufraffen zum Lesen. Obwohl ich krank war und gerade alle in Lesestimmung sind wegen Wetter und Herbst und allem.
Aber diesen Substack-Post fand ich gut: https://daaelyn.substack.com/p/i-want-to-change-my-life-but-there?utm_source=substack&utm_campaign=post_embed&utm_medium=web&embedding_publication_id=11958183
Und diesen Substack-Post fand ich lustig: https://soeloquent.substack.com/p/the-frazzled-english-woman-a-critique?utm_source=substack&utm_campaign=post_embed&utm_medium=web&embedding_publication_id=11958183
Etwas zum Hören: 4 Monate, nachdem sie mir empfohlen wurden, habe ich mich endlich an die Band Geese gewagt. Ich habe erst das Album »Getting Killed« gehört, aber das dafür schon mehrere Male. Ich mag es sehr. Mein Lieblingslied davon ist »Cobra«. Baby, let me dance away forever. Was für eine Line.
Etwas zum Essen: Glasierte Marroni. Ich vergesse immer ein ganzes Jahr lang, wie gerne ich Marroni mag!
Etwas zum Glotzen: Okay, okay, ich lese momentan nicht viel, dafür schaue ich ziemlich vieles. Mein liebster Film war »Please Don’t Destroy: The Treasure of Foggy Mountain«. Ich bin sehr voreingenommen, weil ich das Trio so gut finde, und ich ihrer gemeinsamen SNL-Zeit täglich hinterher trauere. Der Film ist übertrieben, dämlich und ultra witzig. Ich schaue ihn am Wochenende noch einmal mit meinem Bruder.
Hier die ersten vier Minuten gratis auf YouTube:
Weil alles andere auch gut war! Hier eine Liste mit allem, was ich in den letzten drei Wochen geschaut habe!
Barb & Star Go to Vista del Mar (2021) – 4 Sterne Ich liebe Kristen Wiig.
The Love Hypothesis (2026) – 2.5 Sterne Das Buch war besser und weniger cringe.
Coyote vs Acme (2026) – 4.5 Sterne Siehe oben.
Bridget Jones’s Diary (2001) – 5 Sterne Vielleicht beste Romcom?
The Princess Diaries 2: Royal Engatement (2004) – 3.5 Sterne Hatte ich besser in Erinnerung.
Marcello Hernandez’ Special »American Boy« (2026) – 4 Sterne Finde ihn in Sketches besser, aber ich mag das Special.
John Mulaney’s Special »Baby J« (2023) – 5 Sterne Mein allerliebstes Stand-Up-Special, kann vielleicht nie getoppt werden.
72 Hours (2026) – 3 Sterne Manchmal brauche ich etwas »boy humour«, wenn ich einen schlechten Tag habe. Ben Marshall hat mein Herz, ohne ihn vielleicht nur 2 Sterne.
Songzeile der Woche: My world’s a honey shade of blue. (Maggie Rogers, It Was Coming All Along)
Etwas wirr, passend zu meiner Gefühlslage. Ich hoffe, nicht zu chaotisch für den ersten Substack-Post.
Alles Liebe
Michelle




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